

1. Kapitel
2. Kapitel

1.
Kapitel
m
Anfang war Nichts, und das Nichts ist für die Menschen wie ein
leeres, pechschwarzes Universum voller Kälte, ohne Licht oder
Gedanken. Bis eine Macht-die-formt inmitten des Nichts einen Strudel
erschuf, der angefüllt war mit Licht und Farben aller Art. Die
Kälte formte aus diesen Farben und sich selbst die erste Form
und Gestalt; und es wurde ein glühender Kristall in allen Farben
des Regenbogens. Und so war die Kälte die erste Macht, die formen
konnte.
Und eingeschlossen im Herzen des Kristalls tobte die Flamme des Lichts,
genährt von der Substanz des eisigen Juwels. Und sie entwickelte
eine Form von Kraft, die der Kälte entgegengesetzt war und dieser
verzehrte; sie war das Feuer.
So kam es, daß aus der Kälte und den Farben das Feuer entstand.
Und das Feuer verschlang den Urkristall ganz und gar.
Aus der urtümlichen Macht des
Kristalls und der ungezügelten Kraft des Feuer entstand ein Kampf,
aus dem sich das allererste Lebewesen formte. Es sah aus wie ein großer,
unförmiger Haufen, der sich wie nach einem hitzigen Gefecht jedoch
bald darauf in zwei Teile formte; einen großen und einen kleinen.
Der kleine formte sich zu einer zierlichen,
schlanken Gestalt mit zwei Armen und Beinen. Der große jedoch
entwickelte sechs derartiger Anhängsel und saugte den Rest des
Feuers ganz und gar in sich auf. So entstanden die ersten beiden Lebewesen
im Nichts.
Doch noch hatten sie keinen Boden unter den Füßen, wie
ihre Art es brauchte, und so streckte die größere Gestalt
zwei seiner klobigen Anhängsel nach beiden Seiten aus und formte
sie zu riesigen Segeln, zu deren Verstärkung er Knochen und Haut
und Muskeln einfügte. Der kleinere klammerte sich in der Leere
an den peitschenden Auswuchs der großen Gestalt und nannte sie
bei sich einen Schwanz, wie er die großen Paddel Flügel
nannte.
Und dann verletzte sich die große Gestalt an einem der umherwirbelnden
Kristallsplitter, ebenso wie die kleine, die an ihrem Körperende
hing; und beide begannen, fürchterlich zu bluten. Der goldene
Lebenssaft der großen Gestalt mit dem Feuer darin, vermischte
sich mit dem roten der Kleineren. Und gemeinsam formten sie eine wunderliche
Landschaft unter den beiden; das Gold wurde fest und starr, das Rot
jedoch weich, lebendig und wundervoll anzusehen.
Aus dem Rot entsprangen Pflanzen und Tiere in unendlicher Zahl. Und
die Kristallsplitter, die scharfen Kristallklingen über der Landschaft
beendeten erstaunt ihren wilden Tanz im Nichts und setzten sich über
der Landschaft in einer weiten Kuppel nieder, um dem Schauspiel zu
folgen.
Und sie vollzogen in ihrer Form die
vieler Tiere und Dinge nach, die sie sahen. Und eine ihrer Scheiben
blieb am neu geborenen Himmel haften und nannte sich Großer
Mond. Und er gebar zwei kleinere Kinder, einer silbern, einer golden,
wie das Blut der großen Kreatur. Und der größte war
rot, um daran zu erinnern, wie das Land geschaffen worden war.
Und das Land breitete sich unter den beiden Wesen immer weiter aus,
es formte eine endlose Kugel, in einer perfekten Gestalt, auf daß
die Welt nie enden möge.
Und die beiden Wesen schwebten am Himmel darüber, ratlos, was
nun zu tun sei. Schließlich beschlossen beide, sich auf den
fest gewordenen Boden zu begeben, um ihre Wunden verheilen zu lassen.
Doch um dies zu tun, mußten sie festere Gestalt annehmen. Und
so entschlossen sie sich, jeder nach seinem Gemüte, ihre Form
festzulegen.
der kleinen Gestalt gefielen ihre Arme und Beine, und so behielt sie
sie. Doch sie formte mit ihrem Willen sechsfingrige Hände, machte
sich daraus ein Gesicht an ihrem Kopf und formte den Leib zu ihrer
Zufriedenheit. Und so war der erste Vedhakan geboren.
Die große Gestalt jedoch beobachtete
neidisch die flinken Finger des Vedhakan und sprach schließlich:
"Hilf mir bei meiner Gestaltwerdung, der du dich Vedhakan nennst!
Mir fehlen diese formenden Hände!" Und so formte der Vedhakan
nach den Anweisungen des großen Wesens dessen Körper.
Und er formte diesen mit seinen mächtigen Hinterbeinen, dem langen
Schwanz und dessen Flosse, die riesigen Flügel, den Kopf und
dessen Hörner, und noch vieles andere, drei Tage und Nächte
lang.
Und während er das urtümliche Fleisch knetete und in Formen
wies, übermannt ihn das Große Schaffen, und er erschuf
ein Wesen göttlicher Schönheit.
Die Farbe seines Blutes nahm das
Wesen außen an, und die Farben aller Monde waren in seinen Augen.
Und es war das gewaltigste Geschöpf der Weltenkugel, und gemeinsam
mit dem Vedhakan das klügste.
Und so begannen sie nun gemeinsam, den Tieren und Dingen um sie herum
Namen zu verleihen. Und schließlich benannte der Vedhakan das
große Wesen an seiner Seite. Er sprach: "Du seist ein Drache,
ein Gegenstück zu meinem Geschlecht nun und immerdar. Denn gemeinsam
haben wir diese Welt erschaffen, und gemeinsam werden wir über
sie wachen. " Und sie gaben sie im Angesicht der Sterne ihre Namen.
Und so geschah es, daß der
Drache ein vollendetes Gegenstück zu dem Vedhakan ward. Er ward
ein Gegengeschlecht zu dem Vedhakan, ein weibliches Ding, dazu bestimmt,
Nachwuchs hervorzubringen und zu unterweisen. Und es ward die Aufgabe
des Vedhakan, diesen Nachwuchs zu hegen und dessen Klugheit zu schulen.
Und so beendeten sie ihre gemeinsame
Arbeit in Einvernehmen. Die Drachin schuf in der ewigen Nacht mit
ihrem Maul und ihrer Zunge eine feurige Kugel und hieß sie,
über den Himmel zu wandern. Der Vedhakan und die Drachin nannten
sie die Sonne. Und der Vedhakan schuf faserige Dinge aus schwebender
Lebensflüssigkeit, die er Wasser nannte; und so entstanden die
Wolken, auf daß es regne und die vielen Schluchten und Tälern
zu Flüssen und Ozeanen wurden.
Und so war die Welt geschaffen, gemeinsam mit Tier, Drachin und Vedhakan.
2.
Kapitel
rde,
Himmel, Pflanzen, Tiere und Dinge waren erschaffen; Tag und Nacht
bestimmten den Lauf des Lebens, und die Monde leuchteten in der Nacht.
Doch es gab außer den Tieren, Yandidd und dem Vedhakan 'Lariel
noch keine anderen Geschöpfe. Und so ging 'Lariel daran, mit
den Tieren zu besprechen, was der Welt fehle. Schließlich suchte
er aus der Schar der Vögel den stolzen Kranich heraus und sprach
zu ihm: "Du bist unter den Vögeln der aufrechteste. Sprich also,
Kranich, was braucht ein weiteres Geschöpf deiner Meinung nach
noch außer dem aufgerichteten Gang und deiner Schläue?"
Und der Kranich sprach: "Er braucht Gliedmaßen, um zu formen,
denn das können wir Tiere nicht."
Und so wählte 'Lariel auch den Affen, betrachtete dessen Hände
und sprach: "Affe, deine Hände können greifen und brechen,
doch was fehlt ihnen zur Vollkommenheit neben deinen guten Augen?"
Und der Affe sprach: "Es braucht geschicktere Finger als meine; auch
wünschte ich mir, schneller laufen zu können."
Also wählte 'Lariel aus den Tieren den Geparden aus und sprach
zu ihm: "Du bist der schnellste Läufer unter den Tieren. Was
braucht ein Wesen deiner Meinung nach noch?"
Und der Gepard sprach: "Lieber als all meine Schnelligkeit hätte
ich eine betörende Stimme, denn ich beneide die Vögel um
ihren süßen Gesang."
Und so wählte 'Lariel als Letztes die Amsel aus der Schar. Darauf
entnahm er jedem Tier Haare und Federn, drehte sie zu einem Ball und
umkleidete diesen mit Yandidds goldenem Blut.
Und aus der Maße erhob sich
ein Geschöpf, dem Vedhakan gleich, mit zwei Armen und Beinen,
einem ähnlichen Gesicht, jedoch mit runden Ohren und gröberer
Statur.
Und 'Lariel verlieh dem Menschen Sprache, Intelligenz, das Wissen,
zu formen und die Gabe, zu singen. Yandidd belebte das Geschöpf
mit ihrem göttlichen Feuer, und der erste Mensch war geschaffen.
Dann aber erkannte 'Lariel, daß der Mensch alleine war, und
so teilte er die große Figur und erschuf zwei aus der maße,
wobei die zweite Figur der ersten nicht vollkommen glich. Und zu Yandidds
Gefallen machte er die zweite Figur weiblich, woraufhin Yandidd sprach:
"Sie ist zuletzt entstanden, aber daraus sollen ihr keine Nachteile
entstehen."
Und 'Lariel befand dies als richtig und übertrug der Frau die
Gabe des Gesangs; die restlichen gaben jedoch verlieh er beiden, Mann
und Frau. Und er sprach: "Der Mann soll sich die Frau nicht untertan
machen, weil er zuerst entstand. Beide sollen in Harmonie leben. So
habe ich, 'Lariel, gesprochen."
Und Yandidd bezeugte den Schwur und festigte ihn durch ihr eigenes
Versprechen.
Und Mann und Frau lebten unter den
Tieren, zähmten sie, bauten ein Haus und vermehrten sich.
'Lariel fand ebenfalls Gefallen an der Menschenfrau, und so kam es,
daß er mit ihr mehrere
Kinder hatte, die bis zum heutigen Tage die Dhakan sind; denn jene
beiden ersten Menschen, Durhi der Mann und Akka die Frau, waren noch
halb vedhakanisch dadurch, daß 'Lariel sie beide gemacht hatte.
Nur ihre Kinder waren ganz und gar Mensch.
Und so wurde aus der Welt mit ihren lebenden Dingen, den Menschen
und ersten Dhakan ein Garten.