
"Hallo zusammen, Guten
Tag, oder was auch immer du jetzt von mir hören willst.
Oh nein, denkst du dir jetzt wahrscheinlich. Schon wieder so ein Cooles
Ding mit Sonnebrille.
Ah, na gut. Soll ich sie abnehmen?
Kann ich machen, mir bricht dabei kein Zacken aus der Krone."
Ein kurzes Lächeln, bei dem weiße Zähne aufblitzen.
Ein Schmunzeln aus dem Hintergrund, von dem Zuhörer, der da an
der Wand lehnt.
Aber der Kerl fährt schon wieder fort, ohne sich stören
zu lassen: "Also, ich denke, es ist jetzt Zeit für... einen
Monolog. Ich weiß, es ist nicht die elegante Methode, aber ich
habe euch ja gesagt, daß ich es so machen würde."
Der Zuhörer bewegt sich leicht im Schatten.
Köpfe wenden sich in seine Richtung, doch dann wandern die Augen
wieder zu dem auffälligen Burschen am Tisch. Der schien in sich
hineinzugrinsen und schon mal geistig Anlauf für seinen versprochenen
Monolog zu holen scheint.
"Also, ich serviere euch jetzt hier etwas stärkeren Tobak.
Aber sagt hinterher nicht, ich hätte euch nicht gewarnt. Keine
Zwischenrufe bitte..."
Er überlegt kurz und grinst dann. "Also gut. Fangen wir
an. Ihr glaubt wohl, ich bin ein Spinner, mit den spitzen Ohren und
so. Und daß sie aus Latex sind. Falsch. Ich habe GEF."
Das schlägt ein. Einige der Zuhörer rutschen unbehaglich
auf ihren Plätzen hin und her. Ein junges Mädchen senkt
den Kopf.
"Aber keine Sorge, dieses Syndrom ist nicht das, was sie euch
erzählt haben. Wie ihr seht, stirbt man durchaus nicht daran.
Im Gegenteil. Man wächst und gedeiht..." Er befingert kurz
seine Ohren und grinst wieder.
"Ja, aber das ist nicht das einzige. Ihr seht, ich habe GEF,
ihr habt GEF. Der einzige Unterschied ist nur, daß ihr wahrscheinlich
hier daran sterben würdet, ich wahrscheinlich auch, wenn ich
hier bliebe. Und deshalb bin ich hier momentan nur zu Gast. Ich gehe
bald wieder. Dahin, wo ihr auch mitkommen solltet."
Unruhe macht sich breit. Der Zuhörer tritt einige Schritte vor,
verharrt dann aber und entspannt sich wieder, als der Sprecher kurz
die Hand hebt.
"Also, um es kurz zu machen. Ja, wir werden weggehen. Ihr habt
zugestimmt. Natürlich könnt ihr noch verschwinden, wenn
es euch jetzt zu heiß wird. Aber ich würde es euch nicht
empfehlen. Eure Lebenserwartung um ein vielfaches multipliziert gegen
noch ein paar Wochen Dahinvegetieren in irgendeinem Krankenhaus? Überlegt
es euch. Und nein, die Sache hat keinen Haken.
Aber fragt nicht, wohin wir gehen, ihr würdet es sowieso nicht
glauben. Vielleicht sollte ich etwas über ein Märchenland
sagen...?"
Er lachte leise, als einige Leute sich erheben wollten, dann aber
kurz zögerten und begannen, unschlüssig von einem Fuß
auf den anderen zu treten.
"Also, setzt euch wieder. Ich komme jetzt zum schlimmsten Teil
für euch. Okay, ich habe hier gehört, wie jemand was von
Außerirdischen gesagt hat. Das kommt in etwa hin. Nein, mein
Freund, ich w7ill dich bestimmt nicht verkohlen, also sei bitte mal
kurz still und hör mir zu. Es lohnt sich, ich verspreche es dir.
Also. Meine Vorfahren waren nicht von hier, wie man so schön
sagt. Sie waren nicht von der Erde. Sondern von drüben. Von daheim.
Genau wie eure. Aber das ist etwas, das ihr langsam begreifen lernen
müsst. Für den Moment zählt nur, daß ihr nach
Hause kommt, und da wird es euch besser gehen. Sehr viel besser. Na
ja, eigentlich prächtig.
Aber ihr werdet euch auch mit einer Menge Seltsamkeiten abfinden müssen.
Andere Länder, andere Sitten, heißt es so schön. Und
auch andere... Kreaturen. Ich hoffe, keiner von euch hier glaubt,
Drachen wären das Böse? Naja, wenn ihr das denkt, könnte
es sein, daß diese Einstellung euch irgendwann ziemlich in Probleme
bringt. Und ich persönlich würde euch solches Geschwätz
über Jungfrauen entführende Drachen auch bitter übel
nehmen."
Der Zuhörer lacht leise. Im Gleichklang mit dem Redner.
"Nie, zu keinem Zeitpunkt unserer Geschichte haben wir Leute
entführt. Nie gegen ihren Willen zumindest. Oh, ja, ich sage
wir. Ratet mal. Ich bin einer von diesen Drachen."
Ungläubiges Lachen rundherum. Er seufzt.
"Na, ich sehe schon, Ich ahne, was ihr gerade denkt. Aber ihr
werdet es lernen.
Ich habe den direkten Weg gewählt, weil wir keine Zeit haben.
Wir müssen nämlich los.
Also machen wir das wie in einem Flugzeug. Ich bin eure Stewardess,
wenn ihr so wollt. Ihr müsst euch zwar nicht anschnallen, aber
dafür genau das tun, was ich sage. Ich will euch bestimmt nicht
schaden, also vertraut mir. Was wir jetzt brauchen, ist Tempo und
Entschlossenheit. Also los, macht euch bereit."
"Wie heißt du eigentlich?" Zum ersten Mal seit beginn
seine Rede sagt einer von den Anwesenden etwas. Es ist die junge Frau.
"Chris," sagte er nur kurz angebunden. "Und wenn es
euch hilft: Christian Schuman. Noch Fragen?"
Ungemütliches Brummen rundherum.
"Gut, dann los. Wir bekommen eine Eskorte. Beeilt euch."
Die Tür des Schuppens springt auf. Vier großgewachsene,
in schwarzes Leder gehüllte Rocker kamen herein. Einer von ihnen,
ein Bursche mit eisblauen Augen und über zwei Meter groß,
winkt Schuman zu. Der nickt nur, sagt etwas und dreht sich dann zu
seiner Gruppe um.
"Die Jungs hier sind gefährlicher als sie aussehen,"
grinst er. "Und das meine ich so. Wenn es aber Probleme gibt,
verlasst euch auf sie. Die wissen, was sie tun."
Die junge Frau geht hocherhobenen Hauptes auf die langhaarigen Bombenleger
zu. Da ist etwas in ihrem Blick, das den Zuhörer aufblicken und
lächeln lässt.
"Los geht's! Genug getrödelt!" der beeindruckende Baß
des Großen lässt die Gruppe fast geschlossen zusammenzucken.
Die schwarzgekleideten Kerle eskortieren des Grüppchen in den
wallenden Nebel draußen hinaus.
Es ist früher Morgen, und die Luft eisig kalt. Sie trägt
einen Hauch von Wärme mit sich, der irgendwie fehl am Platz wirkt.
Die Menschen gehen in die klammen Nebelschwaden, nervös, verängstigt,
angespannt... in das größte Abenteuer ihres Lebens...
Zurück
zur Startseite